Dienstag, 8. Dezember 2009

Tatortzutaten



Seit ein paar Jahren gehöre auch ich zu den 78 Millionen Deutschen, die Sonntags abends um 20.15 rituell den Tatort schauen. Seit einiger Zeit bleibe ich irgendwie aber auch bei jeder Wiederholung dieses Fernsehmonoliten hängen und ertappe mich sogar dabei, wie ich mir hin und wieder im Internet verpasste Tatorte reinziehe. Von Public-Tatort-Viewing halte ich allerdings nichts. Es muss vorm heimischen TV sein und außerdem muss man auch nicht jedes nostalgische Gefühl in der Masse abfeiern.
Keine Ahnung, ob es die Sehnsucht nach eben diesem Feeling ist, das seit Kindertagen auch Wetten dass...? auslöste, dieses gemeinschaftliche Fernsehereignis der 80er-Jahre Abend-Unterhaltung, eine Sicherheit verströmende Atmosphäre, wenn Tommy seine hammermäßigen Gags raushaute und die ganze Familie Deutschland gebannt vor der Glotze saß oder meinetwegen zu irgendeinem Rathausplatz rannte, um der Saalwette beizuwohnen, das heimisch, wenn nicht gar heimatlich war und
nur ein klitzekleines bisschen von regelmäßigen Warnungen Eduard Zimmermanns getrübt wurde, da seinerzeit gleichzeitig dutzende Wohnungen in der Republik ausgeräumt wurden. Wer sich schonmal eine Wetten dass...? Wiederholung am Sonntag Mittag angeschaut hat, der weiß, dass dieses Event von diesem deutschen Wir-Moment lebt und nicht konservierbar ist. Die oftmals sogar zusammengeschnittenen Versionen sind langweilig wie ein Fernsehgarten.
Beim Tatort ist es das Strickmuster, das Rezept, das einem spätestens nach fünfmaligen Schauen diese Geborgenheit verschafft, die einem Sonntag abend würdig ist: die Tatortzutaten eben.
Es ist zunächst einmal der Sidekick, der in der Regel den jeweiligen Regionaldialekt übertrieben stark babbelt, berlinert, schwätzt, kallt, schnackt oder sabbelt und allein dadurch für den heiteren Aspekt der Sendung sorgen soll. Meistens ist dieser irgendein Kollege - der Gerichtsmediziner, der Assistent oder der Ermittlungspartner des meistens zugezogenen Kommissars ist der Michael Mittermeyer, der Maddin, der Mario Barth oder die Hella von Sinnen des jeweiligen Tatorts. Der Kommissar selbst muss ferner gewisse kernige Eigenschaften haben, um die öffentlich-rechtliche Geborgenheit zu versprühen: Er hat ein völlig desolates Privatleben, ist geschieden, verwitwet oder beziehungsunfähig und ein solches Arbeitstier, dass Deutschland keine Probleme mit Kriminalität haben würde, wäre der Tatort ein Spiegel der Realität. Ist er aber nicht, und das ist auch gut so. Denn dann könnten die Ermittler auch nicht ständig passend zum wochenendlichen Kriminalvergnügen Geburtstag haben. Diese Geburtstage werden allein gefeiert oder die Feier von einem neuen Mordfall oder einer wichtigen Information gestört, die alles sofort unterbricht.
In einem Tatort muss außerdem gegessen werden. Aufgrund der mangelnden Werbepausen haben die Tatortdramaturgen sicher schon eingeplant im unmittelbaren Nachspiel einer Currywurst- oder Leberkässzene keine Schlüsselszenen folgen zu lassen und die Einbrecher haben bestimmt ihren Coup bereits erledigt, wenn die ganze Nation den Gang in die Küche antritt. Gleiches gilt für Bier, das Hektorliterweise und bisweilen sogar am Arbeitsplatz getrunken wird (natürlich nur nach einer Non-Stop-35-Stunden-Schicht).
Was noch? In irgendeiner Folge wird der Ermittler selbst unter Verdacht geraten. Öfter noch sind aber beste Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen in Mordfälle verstrickt.
Für die ultimative Frage nach dem Täter lassen sich die Tatortschöpfer schon immer was Nettes einfallen. Mit geschultem Blick entwickelt man mit der Zeit aber doch ein einigermaßen zuverlässiges Gespür durch das Auftreten der Schauspieler zu erkennen, wer der Täter ist. Nie, und das lässt sich wirklich festhalten: NIE ist derjenige der Täter, der von Anfang an durch Arroganz, Fremdenhass, Eitelkeit oder andere Untugenden glänzt. So erdrückend die Beweise auch sein mögen, diese Menschen sind immer unschuldig. Man sollte sein Augenmerk bei der eigenen wochenendlichen Kriminalarbeit ganz klar auf die Menschen legen, die hieb- und stichfeste Alibis haben, die sich einer guten Sache widmen, sympathisch wirken und in der Regel auch irgendeine freundschaftliche Bindung zu dem Ermittler aufbauen, die für ihn wiederum einen kleinen Lichtstrahl in seiner miesen Existenz bildet, nur aber, um ihn dann mit doppelter Wucht auf den Boden seines miserablen Soziallebens zu schmettern. Oft sind es auch Menschen mit körperlichen Leiden, die es ihnen auf den ersten Blick unmöglich machen ein Gewaltverbrechen zu begehen, schließlich aber doch irgendwie hinter der Sache stehen.

Zu den Tatortregeln gehört aber auch, dass es immer noch einen Twist geben muss. Das echte Motiv kann einem meistens in den ersten 60 Minuten unmöglich verständlich werden, da die Infos oft erst dann langsam durch eine völlig neue Facette der Story offenbar werden können. Also Geduld! So viel zu den Tipps also für die Zuschauer, die einen Tatortgenuss auch als eine sportliche Herausforderung verstehen.
Apropos Sport: natürlich darf auch beim Tatort Bewegung nicht fehlen. Da der überwiegende Teil der Serie aus Befragungen, Gesprächen und Verhören von Menschen im besten Alter besteht, die in der Regel im Sitzen oder Stehen oder vielleicht mal bei einem Spaziergang, der dann häufig als Gelegenheit genutzt wird auch mal die jeweiligen städtischen Sehenswürdigkeiten in Szene zu setzen, stattfinden, müssen die Autoren aufpassen, dass dem Zuschauer nach einer arbeitsamen Woche nicht die Füße einschlafen. Daher muss jeder Kommissar mindestens einmal pro Folge rennen, die Waffe ziehen, über Zäune klettern u.ä., egal wie alt oder korpulent er oder sie auch ist.
Dies wird häufig durch eine weitere Tatort-Zutat ausgelöst: Irgendein Zeuge wird im Angesicht der Bullen immer augenblicklich die Flucht antreten. Dadurch macht er sich zwar ziemlich verdächtig, aber woher sonst soll die Action kommen. Klar ist dabei, dass der Flüchtige in diesem Fall maximal ein minder schweres Delikt auf dem Kerbholz hat, nie aber der Mörder ist.
In der Tatortwelt wird auch nicht viel von Vornamen gehalten. Man redet sowohl über als auch mit anderen Menschen grundsätzlich, indem man nur den Nachnamen nennt. "Zirner, nimm die Waffe runter", "Klemm hat den Durchuchungsbefehl nicht genehmigt" usw.

Packt man diese Zutaten zusammen, dann entsteht der wohlig warme Muff der allwochenendlichen Fernsehunterhaltung. Herrlich!
Und wieder was gefleddert..Was nützt´s? Ach wees ick nüscht. Haha

Kommentare:

Schnitzeltreff hat gesagt…

Sehr treffliche Analyse des sonntäglichen Mord-und-Totschlag-Rituals, das sich nicht ganz so regelmäßig in unserem Wohnzimmer vollzieht.

Dominik hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
bob hat gesagt…

Danke Schnitzeltreff, kenn wir uns womöglich im RL?

Anonym hat gesagt…

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Bob hat gesagt…

aha. Danke für den Hinweis Pingun-Club