Donnerstag, 8. November 2007

Wenn ich Motorrad fahre, werd ich zum Soziologen.

Ich hab mal einige von meinen zugegebenermassen verallgemeinernden und absolut subjektiven Beobachtungen, Erfahrungen, Thesen und Erkenntnissen der letzten Monate zusammengestellt.
Bule ist, um das nochmal zu erklaeren, die Bezeichnung fuer alle westlich aussehenden Menschen (Europa, Amerika, Australien...) und auch wenn ich dieses Konzept anfangs voellig bescheuert fand, weil es Menschen aus mindestens drei unterschiedlichen in einen Topf wirft, benutze ich den Begriff hier trotzdem, weil "der Indonesier" schliesslich auch Menschen unterschiedlichster ethnischer und sprachlicher Herkunft umschliesst.

- Wenn ich Motorad fahre werd ich zum Soziologen. Der Strassenverkehr stresst, weil die Leute in der anonymen Auto- und Motorradmasse zu egoistischen, ruecksichtslosen Arschloechern ohne jegliches Sozialgefuehl werden. Ganz kontraer zur sonst so omnipraesenten und bisweilen als von mir voellig uebertrieben empfundenen Hoeflichkeit.
- Fast immer fragen Indonesier erst alle im Raum sitzenden, ob sie schon gegessen haben oder sagen wenigstens ”Ich esse schon mal” bevor sie anfangen zu essen -nicht im Restaurant.
- In Deutschland und unter Deutschen ist es cool und zeugt von Haerte, Disziplin oder einfach nur Maennlichkeit wenn man unheimlich scharfes Essen aushalten kann. Jedoch fuehrt jedes Essen, das jenseits der eigentlichen Schmerzgrenze zu sich genommen wird, einige Stunden Verdauungsvorgang spaeter zu unglaublichen Schmerzen, was mich mittlerweile davon ueberzeugt hat auf solche letztendlich masochistischen Mahlzeiten zu verzichten.
- In Indonesien essen schon kleine Kinder so scharf, dass es den meisten gestandenen deutschen Maennern die Traenen in die Augen treiben wuerde.
- Indonesier haben keine Vorstellung, wie kalt es in Deutschland ist und empfinden schon als bitterkalt, was in Deutschland noch als ein warmer Fruehlingstag durchgehen wuerde.
- Ruelpsen ist in Indonesien wesentlich salonfaehiger als Naseputzen.
- Man sieht unglaublich oft Menschen bei der Arbeit chatten.
- Ein Handy wird nie auf lautlos gestellt und Anrufe sind grundsaetzlich anzunehmen, selbst wenn einen die Freundin, die Tochter oder ein Kollege waehrend eines Vortrags, den man haelt, anruft, einen voellig unserioesen Klingelton erschallen laesst und private Konversationen um irgendwelche Unwichtikeiten vom gesamten Publikum aufmerksam verfolgt werden.
- In Indonesien wird sich viel weniger aufgeregt. Selbst Dinge, die man als extrem unsinnig, unfair, unflexibel oder unfreundlich empfindet, werden von Indonesiern meistens lieber ausgehalten als angeprangert. Ein sich aufregender Bule in einem Internetcafe, in dem gerade der Strom ausgefallen ist und die Arbeit von Stunden zu nichte gemacht hat wirkt irritierend.
- Indonesier putzen staendig irgendetwas (auch ihre Kinder).
- Partys und Alkohol sind prinzipiell etwas Suenden-beladenes.
- Auf wirklich indonesischen Feiern (also nicht in suendhaften Clubs) ist Essen wesentlich wichtiger als Trinken.
- Die indonesische Fanta ist fuer einen Deutschen ungeniessbar suess.
- Viele Indonesier haetten gerne einen Bule zum Freund (hier rein platonisch gemeint). Der Anfreundungsprozess wird aber in 99% der Faelle so devot angegangen, dass man sich als Bule so unbehaglich fuehlt, dass eine Freundschaft in weite Ferne rueckt.
- Soweit ich weiss glauben alle Indonesier, die ich kenne, an Geister.
- Es wird als verwirrend empfunden, dass Bules vor kleinen Kaefern, Maeusen und Ratten, nicht aber vor Geistern Angst haben.
- Meine Orts- und Sprachkenntnissen korrelieren: Immer wenn ich das Gefuehl hab, mich auszukennen entdecke ich weitraeumige Regionen, die mir voellig unbekannt sind.

- Je heisser es wird, desto mehr Kleidung traegt der Indonesier.
- Manchmal hat man das Gefuehl, Indonesier haben einen Schalter am Gehirn, mit dem man es an- und ausschalten kann. Wenn das tatsaechlich der Fall sein sollte, dann ist dieser in der Gastronomie, vor allem beim Annehmen von Bestellungen, meistens ausgeschaltet.

- Es ist bestimmt geschaeftsschaedigend, zu viele Angestellte einzustellen. Die quatschen nur untereinander und arbeiten unmotiviert. Fast alle Supermaerkte, Geschaefte und Restaurants haben meiner Meinung nach zu viele Angestellte...also wenn ich der Betreiber waere. Fuer die Leute ist es wahrscheinlich besser, da es -wenn auch schlecht bezahlte- Jobs schafft.
- Indonesische Kellner sind meistens sehr unflexibel, was kleinste Spezialwuensche bei Essensbestellungen angeht. Ein Gericht ist ein Gericht und wird nur auf diese Weise serviert. siehe Schalter.


Schon wieder viel zu lang...Kommentare erwuenscht, schuess!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

schön zu lesen, monsieur! mussicklache! bring ma so`ne süsse fantaplörre mit, bin interessiert!!!;-) Kuss and uff bald!!! trommla

fab hat gesagt…

Jaja, beim "Rotzfahnenfauxpas" verließ mich meine interkulturelle Kompetenz. Ansonsten fehlt mir nur das Indonesier überfüllte, laute Plätze mögen und das ihr Tanzverhalten auf Konzerten eher dem europäischer Flashmobs gleicht. Frei nach dem Motto in einer Gruppe für 1 Minute vor die Bühne laufe, steilgehen und schnell wieder weg. Kann aber, durch das nur einmalige Beobachten, nicht zu einer empirischen Verifikation generalisiert werden.

Anonym hat gesagt…

Super witzig,
Ich denke die meisten der Punkte könnte man ohne größere Änderungen auch für Indien übernehmen. Ist doch immer wieder witzig wie sehr Klisches doch zu treffen. Was ich immer interessant fand als ich Reisen war, das einem auch mehrere typisch Deutsche Eigenschaften auffallen, die man selber besitz, auch wenn man sich nicht für typisch Deutsch hält.....

Also geniesse jede Sekunde die du noch da verbringen kannst.

Lg Norman

Bob hat gesagt…

Was typisch deutsch und was typisch nicht-indonesisch ist, sind aber wieder zwei Paar Schuhe. Alsp das, was Dich vom Indonesier abgrenzt, grenzt Dich meistens nicht vom Ami, Auzzy, Franzosen oder sonstigem Bule ab. Das Wort Bule find ich deswegen gar nicht so schlecht, hat nur ein bisschen so nen "Der-weisse-Mann" Touch. Btw. wie schonmal erwaehnt heisst Bule ja eigentlich Albino.
Meine Meinung zum Tanzverhalten: Ich glaub das ist so aehnlich wie in Deutschland- Jeder hat so seine Bagage, die bei der eigenen Performance dancet. Weil bei Rock/Indie Konzerten hier immer mindesten 10 Bands am Abend spielen, flashmobben immer wieder andere Gruppen von Zuschauern, wenn ihre Lieblingskappelle hektisch ihre Performance runterdudelt.

El'Ranchero hat gesagt…

Hey Domi, hab gestern lange vor dem "rocketcar" gestanden. Freue mich darauf Dich zu treffen. Hoffe Du hast ne gute Zeit. Meine könnte nicht besser sein. Hab gestern auch zwei Eisen geschenkt bekommen. Ziehe gleich mit Golfbällen und Tee los, um nen paar Abschläge zu machen. Bis bald auf dem Green. El'Ranchero

Anonym hat gesagt…

Hey El ranchero, freut mich, dass es Dir gut geht. Hast Du noch Deine alte Emailadresse? Habe Dir irgendwann mal geschrieben. -meine Email ist

meinvorname.meinnachname@gmail.com

also natuerlich mein echter name...Sie verstehen, mister.
und Golfer biste jetzt oder wie watt? hab immer gewusst, dass nen kleiner Yuppy in Dir steckt..

Meine Zeit ist auch im grossen und Ganzen blendend, bis auf ein paar Probleme mit El Imigrasi, aber da gibts bald nen blogeintrag zu. so long
Salam
Bob

Anonym hat gesagt…

Ich wette ne kiste köpi, dass ich weiter abschlagen kann als du. mit thomas hab ich gewettet, dass ich 150m schaffe. besorg dir mal ne wild card, dann sehen wir uns aufm grüngürtel. liebe grüße. bernhard langer