Mittwoch, 5. Dezember 2007

Binsenweisheiten Teil 2

Da der letzte Post mit den Binsenweisheiten ein ziemlicher Erfolg war (7 Kommentare), ueberausfuehrlich geschilderte Trivialitaeten aus meinem Alltag (Expresseinkauf) weniger durchschlagen und lediglich einen einsamen Trommler dazu animiert haben, sich ueber das Leben auszukotzen, hab ich mich entschlossen, einen zweiten Teil zu posten. Ihr seht, ich bin nur eine Nutte, die sich fuer eure Kommentare verkauft.

Zunaechst drei Dinge aus meinem Bueroalltag: Mein Kollege Budi ist ein lustiger Vogel, unter der Glasplatte seines Schreibtischs liegen mehrere mehr oder weniger gelungene Fotomontagen, die ihn als amerikanischen Soldat mit schweren Waffen in der Hand vor amerikanischen Flaggen und schwerem Kriegsgeraet, Panzern und so, zeigen. Auf einem Bild hat er Kinderfotos von sich und seiner Frau vor einem gigantischen Helikopter arrangiert.

Ich habe festgestellt, dass Indonesier am Telefon ganz selten eine Verabschiedungsfloskel von sich geben. Wenn man neben einem Telefonierenden sitzt, hat man nicht selten das Gefuehl, dass ein Telefonat einfach wilkuerlich irgendwann beendet wird, aber ohne Zorn, aufklatschen des Hoerers oder so- einfach mittendrin-Plock aufgelegt-rein intuitiv.


Hin und wieder verschlaegt mich meine Arbeit auf Meetings, wo sich in teuren Hotels NGO’s gegenseitig ihre Projekte vorstellen, lecker essen usw. oder irgendwelche Lokalpolitiker sprechen. Ich hatte ja schon einmal erwaehnt, dass bei diesen Treffen gerne oeffentlich telefoniert wird. Erheiternd waere es vielleicht auch zu erwaehnen, dass ein Teil des Publikums gerne mal ein Nickerchen oder sich ohne die die Stimme zu senken mit seinen Nachbarn unterhaelt. Heute wollte ich aber eigentlich nur erzaehlen, dass ich schon mehrmals mitbekommen habe, dass zwischen den Saetzen darauf verwiesen wird, wer am best-aussehendsten unter den Anwesenden ist-etwa so: “Wie der junge Mann, der in dieser Runde am bestaussehndsten ist, gerade erzaehlt hat, ..blablabla..”. Ich habe diesen Titel uebrigens leider noch nicht einstecken koennen.
Ueberhaupt finde ich es interessant, wie staendig auf das Aeussere eines Menschen Bezug genommen wird. Nicht selten (auch als Frau) hoert man ganz unverholen und teilweise durchaus freundlich gemeint, dass man fett ist und ich werde von fremden Leuten staendig mit ”Botak” also ”Glatzkopf” angeredet. Die Sache mit dem Dicksein bei Maedels hat hier schon zu Traenen gefuehrt und eine Bekannte von mir, die keinesfalls dick, aber nicht total spindelduerr ist, wird von allen ihren Freundinnen nur ”Kentang”, also ”Kartoffel” genannt, was sie nicht im Geringsten zu stoeren scheint.

Indonesier lassen ueberall die Schutzfolie dran. Handies, Autositze, Sonnenblenden, Matratzen, Knaeufe (was issen der Plural von Knauf??) an Schraenkchen, Schreibtischstuehle, Boxen, undundund… ueberall behaelt man das schuetzende Plastik vom Werk, dass das Objekt vor Kratzern und anderen zerstoererischen Krallen der Natur bewahrt. Monate- vielleicht Jahrelang benutzt man also ein Handy, auf dessen Display ein abblaetternder, Blasen werfender und matter Plastikfilm klebt, sich an den Seiten loest und in einem Menschen wie mir nur das unstillbare Verlangen des ABKNIBBELNS und Abreissens hervorquillen laesst. Aber Schutz geht vor.
Einmal habe ich auch an der Ampel neben mir ein Auto bemerkt, das noch einen Aufkleber mit irgendeiner Seriennummer und Destination Jakarta aus dem Jahre 2002 auf der Scheibe kleben hatte.
An einer Ampel wartend habe ich einst auch eine andere verwirrende Beobachtung gemacht. Da stand naemlich ein Tankwagen (Benzin) und schwubdiewubb kommen zwei Jungs von der Strassenseite mit einem Eimer und fuellen sich in aller Seelenruhe gut fuenf Liter der im Preis momentan rapide steigenden Fluessigkeit ab. Der Fahrer schaut sich das Spektakel regungslos im Rueckspiegel an und laesst die Jungs machen.


In dem islamisch gepraegten Land wird man nicht selten gefragt, ob man schonmal Schwein gegessen haette. Wenn man das bejaht, ist die naechste Frage fuer gewoehnlich, ob man auch Hund essen wuerde, das gehoert irgendwie untrennbar zusammen.

Ein seltsamer Trend herrscht hier unter jungen Frauen- riesengrosse Portemonnaieses (und um Gottes Wilen was ist den der Plural von Portemonnaie???). Da auch hier enge Hosen getragen werden, schauen diese etwa 30x10 cm messenden Geldboersen meistens zu ca. 80% aus der Hinterntasche und rufen selbst einem ehrlichen Menschen wie mir ein ”Klau mich” regelrecht entgegen. Manchmal moechte man an die Damen herantreten und sie davor warnen, dass Ihre Brieftasche jeden Moment auf den Boden fallen wird, aber nachdem ich so viele Maedels mit diesen ueberdimensionalen Patten gesehen habe, hat sich die Vermutung zu einem Verdacht erhaertet, dass es sich um einem handfesten Style handelt. Wenn man Tipps zur Beseitigung von durch Styles hervorgerufenen Unbequemlichkeiten gibt, braucht man fuer den Spott nicht zu sorgen. Es wuerde wahrscheinlich klingen wie ”Schneid Dir mal die Haare”, ”zieh Dir mal die Hose hoch” oder ”Bind Dir mal die Schuhe zu”.
Vielleicht ist diese Fahrlaessigkeit im Schutz der eigenen Wertsachen eine Trotzreaktion auf die hiesige Travellercommunity, die weder in einer Bar oder an einem weitlaeufigen Strand auf ihre Jack Wolfskin- Unterhoseneinsteck Geldverstecke verzichtet. In selbigen befinden sich neben etwas Bargeld einige Travellercheques und der Reisepass und aus Sicherheit werden sie wahrscheinlich selbst (oder gerade!) beim Sex nicht abgelegt. Kauft man sich nun bespielsweise ein Nasi Goreng, dreht man sich einfach um, oeffnet seinen Jack Wolfskin Ueberlebensguertel, dann die Knoepfe der Jack Wolfskin Kargohose, die neben einem Taschenmesser, einem Moskitonetz, einem Notzelt, einer Kochausruestung, einem Paeckchen Instantrotwein, einem Kompas, einer Flasche Wasser und etwas Instantnahrung noch etwa 300 weiteren fuer das alltaegliche Leben in Indonesien unverzichtbaren Gegenstaenden durch formangepasste Taschen Platz bieten, greift sich noch unter die schweissaktive Jack Wolfskin Unterhose und entnimmt dem Jack Wolfskin-unter-Unterhosen super Security Geldkontainer die Viertausend Rupiah, um sie dem mittlerweile eingeschlafenem Garkuechenbesitzer mit einem freundlichen Terima kasih zu ueberreichen, aber nicht ohne in einem etwas ermahnenderen Ton noch darauf zu verweisen, dass seine Preise 500 Rupiah ueber den im Lonely Planet angegebenen liegen, man diesen kleinen Betrug aber aus Respekt vor dem javanischen Harmoniebeduerfnis, von dem man ebenfalls im Lonely Planet gelesen hat, aber nicht weiter problematisieren will. Und ausserdem ist man ja im Urlaub.
Ok so weit fuer heute,
Keep it real, Bob

Kommentare:

anna hat gesagt…

du solltest man buch schreiben!!

fab hat gesagt…

find ich nicht.

annaaaa hat gesagt…

nawooooohle!!

fab hat gesagt…

öhhh. mal kurz drüber nachdenken... Nö.

fab hat gesagt…

mir ist eben erst der tiefkühlpizza link in deiner liste aufgefallen und hab mich direkt weggeschmissen :-D

Anonym hat gesagt…

ist auch neu...
bob

fab hat gesagt…

Aber saugut. Soooo. Da haste deine 7 comments du commentverliebter typ ;)